Arndt G. Kirchhoff: "Die IG Metall gefärdet den Standort"

Der Unternehmer ist Chef des des Autozulieferers Kirchhoff und Präsident des Arbeitgeberverbands METALL NRW.


Herr Kirchhoff, die IG Metall will die 28-Stunden-Woche mit Teillohnausgleich. Haben Ihre Mitglieder schon die Anträge für den Austritt aus dem Arbeitgeberverband ausgefüllt?

Beide Tarifpartner müssen darauf achten, dass wir den Flächentarif als befriedigendes Instrument nicht gefährden. Grundsätzlich gilt: Wenn die IG Metall die Unternehmen überfordert und meint, sie immer wieder an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit treiben zu müssen, ist dies auf unserer Seite keine Werbeveranstaltung zur Mitgliedschaft in einem Tarifverband. Das gilt insbesondere für die kommende Tarifrunde.

Arbeitszeitflexibilität ist Beschäftigten aber wichtig. Kann das nicht ein Pfund sein, mit dem man im Kampf um Fachkräfte wuchern kann?

Wir sind sehr für mehr Arbeitszeitflexibilität. Zunächst aber müssen die Aufträge, die wir haben, auch abgearbeitet werden. Das muss gewährleistet sein, sonst kaufen unsere Kunden woanders. Erst wenn diese betrieblichen Erfordernisse erfüllt sind, können wir auch über Arbeitszeitsouveränität des Einzelnen sprechen. Das verstehen unsere Fachkräfte auch, weil sie wissen, dass sie auch sehr gut bezahlt werden.

Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld. Ist das bei Umsatzrenditen von vier Prozent netto nicht drin?

Was die IG Metall da fordert, geht gar nicht. Das ist absolut unverträglich für den Metall- und Elektroproduktionsstandort Deutschland. Unsere Mitarbeiter verdienen heute durchschnittlich 56 000 Euro im Jahr, in manchen Regionen sogar deutlich mehr. Das ist schon jetzt Weltklasseniveau.

Was schließen Sie daraus?

Wir müssen darauf achten, dass wir auch in Zukunft wettbewerbsfähig sind, und insbesondere in die Jahrhundertherausforderung Digitalisierung investieren. Deshalb sage ich: Wir müssen unsere Zukunft sichern und dürfen nicht zu teuer werden.


Die Fragen stellte Frank Specht