NRW-Metallarbeitgeber legen Lösungsvorschlag für Tarifrunde 2012 vor

Präsident Maier-Hunke: Arbeitgeber-Angebot „außerordentlich attraktiv“

18.04.2012 Verband der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen (METALL NRW) hat der IG Metall in Köln bei der 3. Verhandlung in der Tarifrunde 2012 für die 700.000 Beschäftigten der M+E-Industrie in NRW einen Lösungsvorschlag vorgelegt.

Er sieht im Einzelnen vor

  • Einkommenserhöhungen um drei Prozent für 14 Monate ab dem 1. April 2012 bis zum 31. Mai 2013,
  • Fortführung des NRW-Modells zur Einstiegsqualifizierung für leistungsschwächere Jugendliche,
  • Verlängerung der tariflichen Übernahmepflicht für 12 Monate für Ausgebildete und Unterstützung des Bemühens der Mitgliedsunternehmen, Ausgebildete möglichst zu übernehmen,
  • Unterstützung der Verhandlungen zwischen IG Metall und den Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeit über eine finanzielle Besserstellung von Zeitarbeitern,
  • Forderung nach mehr innerbetrieblicher Beweglichkeit
    - durch Ausweitung der Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung um 12 Monate auf 36 Monate sowie
    - durch eine Anhebung der 18-Prozent-Quote für 40-Stunden-Verträge auf 30 Prozent.

Der Präsident und Verhandlungsführer von METALL NRW, Horst-Werner Maier-Hunke, bezeichnete die angebotene Einkommensverbesserung von drei Prozent als „außerordentlich attraktiv“. Nach seinen Worten sei das Lösungspaket geeignet, die Tarifrunde 2012 schon bald mit einem tragfähigen Kompromiss zu beenden. Es sei das höchste Angebot seit vielen Jahren und liege bereits über der Lohnerhöhung von 2,7 Prozent im Jahr 2011. „Damit garantieren wir unseren Mitarbeitern eine Erhöhung ihrer Realeinkommen, obwohl die M+E-Industrie in NRW den krisenbedingten Aufholprozess immer noch nicht abgeschlossen hat“, sagte Maier-Hunke.

Oberstes Ziel der Tarifrunde 2012 müsse nach Auffassung des Präsidenten die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Sicherung der Beschäftigung sein. Hierfür sei eine Ausweitung der innerbetrieblichen Flexibilität „von überragender Bedeutung“. Dafür müssten die betrieblichen Handlungsspielräume über tarifliche Öffnungsklauseln erweitert werden. Dies sei auch notwendig, weil „die IG Metall in den Entgelt-Verhandlungen mit der Zeitarbeitsbranche die Zeitarbeit teurer machen und damit zwangsläufig verknappen werde“, betonte Maier-Hunke. Deshalb sollten die Betriebe je nach Bedarf die Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverträgen statt derzeit 24 künftig 36 Monate lang nutzen können. Überdies wollten die NRW-Metallarbeitgeber mehr Mitarbeitern eine verlängerte Wochenarbeitszeit ermöglichen. „Deshalb fordern wir eine Anhebung der 18-Prozent-Quote für 40-Stunden-Arbeitsverträge auf 30 Prozent“, sagte der Arbeitgeberpräsident. Demgegenüber lehne er erweiterte Mitbestimmungsrechte für die Betriebsräte beim Einsatz von Zeitarbeit weiterhin ab. Hier seien die gesetzlichen Regelungen völlig ausreichend. Die Metallarbeitgeber unterstützten jedoch eine finanzielle Besserstellung der Zeitarbeiter durch Branchenzuschläge. „Damit muss das Thema aber dann auch endgültig zu befrieden sein“, forderte Maier-Hunke.

Eine erneute Absage erteilten die Metallarbeitgeber der IG-Metall-Forderung nach einer unbefristeten Übernahme für alle Ausgebildeten. Rund 75 Prozent der Ausgebildeten würden bereits übernommen, die große Mehrheit der restlichen 25 Prozent komme in anderen Betrieben unter, viele entschieden sich freiwillig für ein Studium. „Wir sehen hier beim besten Willen keine Baustelle“ erklärte Maier-Hunke. Stattdessen hätten die Arbeitgeber der IG Metall vorgeschlagen, lernschwachen und benachteiligten Jugendlichen noch mehr zu helfen, ihre Ausbildungsfähigkeit zu erlangen. In NRW gebe es dazu bereits einen Tarifvertrag. Er forderte die IG Metall auf, diese Vereinbarung gemeinsam mit den Arbeitgebern an Schulen und in den Betrieben noch mehr zu bewerben. „Demgegenüber würde kein M+E-Betrieb in NRW lern- und leistungsschwache Jugendliche fördern, wenn ihm deren unbefristete Übernahme tariflich abverlangt wird“, erklärte der Arbeitgeberpräsident. Der einst gemeinsam formulierte Grundsatz „Ausbildung geht vor Übernahme“ müsse weiter gelten und dürfe nicht ins Gegenteil verkehrt werden.
Maier-Hunke kündigte an, nach der Tarifrunde mit der Gewerkschaft in Gespräche über die zentralen Herausforderungen der Metall- und Elektroindustrie eintreten zu wollen. Im Mittelpunkt dieser Gespräche sollten stehen die demografische Entwicklung, der damit verbundene Fachkraäftemangel sowie der Strukturwandel in der M+E-Industrie, speziell die Sicherung einfacher und die Förderung hochqualifizierter Tätigkeiten in Deutschland stehen.